Der XVII. Karmapa spricht über seine Pläne: Ein Interview mit Radio Free Asia

Der XVII. Karmapa spricht über seine Pläne: Ein Interview mit Radio Free Asia
Büro von Radio Free Asia, Washington, D.C., 30. Juli 2018

In letzter Zeit entstanden Spekulationen in Bezug auf die Pläne und die Gesundheit von Seiner Heiligkeit XVII. Karmapa. Während seines Interviews bei Radio Free Asia klärte er einige Punkte. Dies ist eine leicht editierte Form des Zweiergesprächs.

Die erste Frage bezog sich auf den Grund für seinen langen Besuch in den USA.
Der XVII. Karmapa erwiderte, dass er in Indien einige Probleme mit seiner Gesundheit gehabt habe. Deshalb sei er für eine gründliche Untersuchung und Behandlung in die USA gekommen. Zudem hätten Tests während einiger Untersuchungen in einer Klinik in Deutschland Hinweise auf Probleme mit seinem Hals gegeben; aber Untersuchungen in den USA hätten gezeigt, dass es nichts Wesentliches zur Sorge gab. Der XVII. Karmapa deutete an, dass es die Möglichkeit von Diabetes und ein kleines Problem mit seinem Herzen gegeben hatte.

Die Ärzte in Deutschland empfahlen ihm auch Ruhe. “Während der 18 Jahre die ich in Indien lebte,” kommentierte er, “ hatte ich nicht wirklich irgendeinen Urlaub, da ich mit einer Anzahl von verschiedenen Angelegenheiten beschäftigt war. Dies war auch ein Anlass, in die USA zu kommen.” Er schloß: “Wenn Sie mich fragen, ‘Ist dies ein Notfall?’ Nein, keiner meiner Gesundheitsprobleme ist ein Notfall.”

Die nächste Frage bezog sich auf seine Rückkehr nach Indien.
Der XVII. Karmapa sagte dazu, dass viele Gerüchte herumgingen, “es jedoch klar sei, dass er nach Indien zurückkehren werde. Darüber gebe es keinen Zweifel. Indien sei eine zweite Heimat für alle tibetischen Flüchtlinge geworden, vor allem für Seine Heiligkeit Dalai Lama. Es ist wie ein zweites Tibet für uns. Viele wichtige Klöster sind in Indien errichtet und es sind zahlreiche Flüchtlingsgemeinschaften entstanden. Des weiteren dürfen wir nicht vergessen dass Indien die Heimat von Buddha und seine Lehren war. Ebenso liegt der Hauptsitz der Gyalwang Karmapas, der von meinem Vorgänger errichtet wurde, in Indien. Deshalb ist es keine Frag dass ich zurückkehren werde.

Während der letzten 18 Jahre die ich in Indien lebe, sind viele verschiedene Dinge geschehen und die Frage zu meiner aktuellen Situation in Indien bleibt die nach meiner Reisefreiheit. Bevor ich nach Indien zurückkehre, hoffe ich, klärende Diskussionen mit Vertretern der indischen Regierung zu haben. Einige Gerüchte sagen, dass ich dabei bin, nach China zurückzukehren, und so weiter; aber dies sind Übertreibungen die auf meinem Wunsch, meine Eltern zu treffen, basieren. Ich werde nach Indien zurückkehren, sobald meine Position dort geklärt worden ist durch Gespräche mit der indischen Regierung, die sich im Prozess befinden.”

Die folgende Frage bezog sich auf die Veränderung seiner Situation vom Zeitpunkt des Verlassens von Tibet bis jetzt.
Der XVII. Karmapa erklärte:”Wie jeder weiß, gab es viele Probleme für mich seitdem ich nach Indien kam. Diese wurden durch verschiedene Gerüchte und Zweifel verursacht wie zum Beispiel durch die Verdächtigungen von einigen Mitgliedern des Sicherheitsdienstes, dass ich von China geschickt worden sei usw. Dies ist ein Grund warum ich nach einer Möglichkeit suchte, Vertreter der indischen Regierung von Angesicht zu Angesicht zu sprechen.” Der XVII. Karmapa kommentierte, das er letztendlich in der Lage dazu war, hohe offizielle Regierungsvertreter zu treffen, das einen wesentlichen Unterschied gemacht habe und eine Veränderung seiner aktuellen Situation erlaube.

Der XVII. Karmapa wurde dann gefragt wann er möglicherweise nach Indien zurückkehre.
“Ich kann nicht sicher genau sagen, wann ich zurückkehren werde, jedoch findet im November ein Treffen von führenden hohen Lamas statt, dem Seine Heiligkeit Dalai Lama vorstehen wird. Sicherlich muss ich davor zurückgekehrt sein. Im Vorfeld werde ich Anfang November beim Parliament of the World’s Religions in Toronto, Kanada, anwesend sein.”
Der XVII. Karmapa fuhr fort:”Indien ist mein Hauptsitz. Dort lebe ich und unser Hauptbüro ist dort angesiedelt. Der Grund warum ich reisen muss ist, dass der vorherige Karmapa den Globus bereiste, zahlreiche Kontakte zu vielen Menschen knüpfte, und ich es als meine Verantwortung ansehe, diese Beziehungen weiterzuführen und zu pflegen. Deshalb benötige ich die Möglichkeit, international zu reisen, obgleich ich nach Indien zurückkehren und dort leben möchte. “

Die nächste Frage bezog sich auf den Grund, warum der XVII. Karmapa Sikkum besuchen darf aber nicht seinen Sitz in Rumtek.
Der XVII. Karmapa antwortete:”Ich war nicht und ich bin noch nicht dazu in der Lage, Rumtek zu besuchen, weil es einen laufenden Rechtsstreit gibt, der meine Reise dorthin irgendwie problematisch macht. Sikkim, wie auch immer, zeigt keine Schwierigkeit, so dass ich von der indischen Regierung die Erlaubnis erhielt, es zu besuchen.” Er fügte hinzu, dass die Menschen, die ordinierte Gemeinschaft und die Regierung von Sikkim die Zentralregierung nachdrücklich die Besuchserlaubnis beantragt hatten.

Die nächste Frage verwies auf eine Rede des XVII. Karmapa während des Kagyü Mönlams: ”Wie werden Sie weiterhin die große Verantwortung tragen, die Sie in der Zukunft haben?”
Der XVII. Karmapa erklärte:”Als ich sieben Jahre alt war, wurde ich als die Inkarnation des Karmapa erkannt und seit dieser Zeit hatte ich kein gewöhnliches Leben mehr weil ich wie der Karmapa leben musste. Obgleich ich anerkannt war, hat es viele Hindernisse gegeben und wenig das mir helfen konnte, die weitreichenden Aktivitäten auszuführen, die von jemandem erwartet wurden, der den Titel Karmapa trägt. Auch, wie jeder weiß, spaltete sich die Karma Kagyü Gemeinschaft in zwei Gruppen, was eine traurige Situation entstehen ließ. Doch, zumindest dem Namen nach, bin ich der Führer der Karma Kagyü Linie und es ist meine Verantwortung, so vie lich kann zu tun, um zwischen den zwei Seiten zu vermitteln und die Trennung zu heilen. Das ist außerordentlich wichtig. Seit Shamar Rinpoche vor einigen Jahren starb, gab es keine Möglichkeit mehr, mit ihm in Gespräche zu treten; dennoch hoffe ich, in eine Richtung von größerer Vertrautheit und Harmonie zwischen den zwei Seiten zu arbeiten und damit die Dinge nicht so zu lassen wie sie jetzt sind.”

Die nachfolgende Frage betraf das Marme Mönlam und die Erhaltung der kulturellen und artistischen Traditionen von Tibet.
Der XVII. Karmapa antwortete:”Seit meiner Kindheit habe ich sowohl Malen als auch Dichtung geliebt, und andere Künste sind mit dem Dharma verwoben. Ich denke dass es außerordentlich wichtig ist, dass wir Tibeter unsere traditionelle Kunst bewahren, einschließlich des Theaters, dem Tanz und der visuellen Künste. Nachdem sie all emit den Lehren verbunden sind, werden sie zu einem Weg der Kommunikation des Dharma zu Menschen die an der Kultur und den Künsten interessiert sind, aber nicht am Dharma unmittelbar. Wir brauchen viele unterschiedliche Wege um Menschen mit dem Dharma zu verbinden. Dies ist der Grund, warum ich zum Abschluss des kürzlichen Nordamerikanischen Kagyü Mönlams in New York Artisten aus der ganzen Welt für eine kulturelle Aufführung zusammenbrachte. Das Erinnern an die Vorzüglichkeit ihrer künstlerischen Tradition wird junge Tibeter dazu inspirieren, sich an ihrer eigenen Kultur zu erfreuen und sie zu bewahren.”
Eine andere Frage richtete sich auf die Frage nach den unterschiedlichen Zuhörern von buddhistischen Lehren und wie Menschen zum Dharma gebracht werden.

Der XVII. Karmapa erwiderte:”Es gibt viele Gründe warum Menschen sich für den Buddhismus interessieren. Der Hauptgrund, denke ich, liegt darin, dass sich Buddhismus auf Argumenten gründet. Der Buddha hat seinen Mönchen und Nonnen geraten, Aussagen von Autoritäten nicht zu akzeptieren was ihm, dem Buddha, zugeschrieben wird, oder was ihm zugeschrieben wird. Stattdessen ermunterte er sie dazu, es zu testen wie wenn man Gold analysiert bevor man es kauft. Menschen fühlen sich vom Buddhismus auch angezogen, weil er Frieden, Mitgefühl, mitfühlende Güte und den Erleuchtungsgeist betont, was viele inspiriert. Auch gibt es vor allem die zu sehende Präsenz von vielen großen Praktizierenden des Buddhismus, allen voran Seine Heiligkeit der Dalai Lama, der wie andere weltweit reist.” Der Karmapa fügte hinzu, dass obwohl die Mönche und Nonnen in ihren traditionellen monastischen Instituten sehr gut studieren, es für sie wichtig sei, dass sie auch mit modernen Methoden der Forschung und Wissenschaft vertraut werden.

Die letzte Frage bezog sich auf den Dalai Lama, der nun 83 Jahre alt ist. Was wird mit Tibetern innerhalb und außerhalb Tibets geschehen wenn er nicht mehr mit uns sein wird?
Der XVII. Karmapa wies darauf hin, dass Seine Heiligkeit bei bester Gesundheit sei, wir aber dennoch Nutzen aus seiner Anwesenheit ziehen sollten, weil wir nie wieder solch einen großen Führer wie ihn haben werden, ein Beispiel, inspirierend wie er eben ist. “Deshalb, wenn ich spreche, ermuntere ich tibetische Menschen immer dazu, seiner Richtung zu folgen, große Anteilnahme an ihrer kulturellen und spirituellen Heimat zu haben, und so viel Verantwortung wie möglich für das Überleben der tibetischen Kultur zu übernehmen. Dies wird von individuellen Anstrengungen und ihrer Fähigkeit, historische Unterschiede zu überwinden, abhängen.”

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